{"id":7530,"date":"2016-03-29T18:00:18","date_gmt":"2016-03-29T16:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.horvath.ch\/de\/?p=7530"},"modified":"2026-09-11T18:13:08","modified_gmt":"2026-09-11T16:13:08","slug":"elf-gramm-poesie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/horvath.ch\/de\/design-preis-drachen-2015\/","title":{"rendered":"Elf Gramm Poesie"},"content":{"rendered":"<h2>Design Preis 2015<\/h2>\r\n<p class=\"y\">Stephanie Rebonati, Hochparterre 12 | Dezember 2015 | <a href=\"https:\/\/horvath.ch\/wp-content\/uploads\/drachen-design-gold-2015.pdf\">Elf Gramm Poesie<\/a> pdf<\/p>\r\n<p class=\"y\">Der Architekt und Industriedesigner Thomas Horvath hat den leichtesten Drachen der Welt konstruiert. Er fliegt ohne Wind und verdient damit den Hasen in Gold.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<h2>Zum Staunen gebracht<\/h2>\r\n<p class=\"y\">Aus einem Hauch Nichts konstruiert leistet dieses Ger\u00e4t enorm viel. Thomas Horvaths Nullwinddrachen \"I\u2019ll be back\" steigt bis hundert Meter hoch und fliegt auch im Innern eines Geb\u00e4udes. Ist der Boden erw\u00e4rmt, spielt er mit der Thermik und macht in seinem Flugverhalten Energie sichtbar. Im Ausdruck magisch schwebt er extrem ruhig und spektakul\u00e4r langsam.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Seit letztem Winter ist der Drachen mit der ultraleichten Bespannung Spectra-Laminat verf\u00fcgbar. Damit ist es m\u00f6glich geworden, das Gewicht auf elf Gramm zu reduzieren.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Im Spiel bewirkt der Drachen, was Poesie vermag: Er l\u00e4sst uns staunen und wirft uns auf uns selbst zur\u00fcck. Dabei setzt Horvath seine langj\u00e4hrige Erfahrung in die Konstruktion eines Spielzeugs, das das Spielen \u00fcberaus ernst nimmt.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Weniger ist auch hier mehr: Die Steuerung besteht darin, dem Ger\u00e4t seinen Willen zu lassen. Das formatiert das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Objekt und uns auf eine neue Weise: Spielend werden wir zu Beobachterinnen und Beobachtern.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Meret Ernst<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<section class=\"m\">\r\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/horvath.ch\/wp-content\/uploads\/design-preis-mobile-2015.jpg\" alt=\"Das Mobile im Foyer des Toni Areals, Museum f\u00fcr Gestaltung, Z\u00fcrich.\" width=\"800\" height=\"452\" \/>\r\n<figcaption>Ausstellung Design-Preis 2015: Das Mobile im Foyer des Museums f\u00fcr Gestaltung, Z\u00fcrich.<\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n<\/section>\r\n<hr class=\"double\" \/>\r\n<h2>Der Originaltext von Stephanie Rebonati<\/h2>\r\n<hr class=\"double\" \/>\r\n<p class=\"y\">Der Schweizer Architekt und Industriedesigner Thomas Horvath hat den <a href=\"https:\/\/horvath.ch\/de\/drachen\/ill-be-back\/\">leichtesten Drachen der Welt<\/a> konstruiert. Er wiegt elf Gramm und wirkt wie ein ruhender Falter, wenn er so daliegt.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Ist das f\u00fcr Sie Sport, das mit den Drachen? Nein.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Was ist es dann? Es ist ein Spiel.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Ein Spiel? Eindeutig.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Erz\u00e4hlen Sie mir davon. Es hat etwas Kontemplatives. Beobachten, was der Drachen macht, was die Luft macht.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Aber Ihre Drachen brauchen gar keinen Wind. Wind nicht, aber ein Hauch wie abends am Meer ist immer sch\u00f6n.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Sagen Sie Leine oder Schnur? Ich sage Kabel. Die Spule liegt \u00fcbrigens am Boden. Nicht in der Hand. Mit der einen Hand gibt man dem Drachen gelegentlich Impulse.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Ist das wie Dirigieren in der Musik? Das habe ich so noch nie geh\u00f6rt. Meine Drachen haben wenig mit Kontrolle zu tun. Es geht vielmehr um Loslassen.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Wie meinen Sie das? Bei herk\u00f6mmlichen Lenkdrachen m\u00fcssen die Kabel immer gespannt sein, sonst kommen sie runter. Meine Drachen wollen in die H\u00f6he. Das Kabel muss ganz ruhig am Boden und in der einen Hand liegen. So kann ich gezielt Impulse geben, wenn der Drachen sie braucht.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Wann braucht er sie? Wenn er kreisen, nach oben schweben oder nahe am Boden gleiten will.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Nennen Sie sich Drachenbauer oder Drachenkonstrukteur? Ich weiss gar nicht.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Also im Grunde sind Sie Architekt und Industriedesigner. Das war ich mal. Ich bin Erfinder und Unternehmer.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Thomas Horvath hat den leichtesten Drachen der Welt konstruiert. Er wiegt elf Gramm und heisst \u00abI\u2019ll be back\u00bb. Der Titel stammt aus der Filmszene, in der Terminator auf dem Schmierposten nicht beachtet wird. Er blickt dem Polizisten tief in die Augen und sagt: \u00abIch komme wieder\u00bb. Als er das tut, f\u00e4hrt er mit einem monstr\u00f6sen Wagen die Wache platt. Das macht Thomas Horvaths synergetischer Nullwind-Drachen nat\u00fcrlich nicht. Er ist ganz leise. Wenn er so da liegt, wirkt er wie ein ruhender Falter. Sein hauchd\u00fcnnes, farblos transluzides Segel schimmert wie Perlmutt. Er hat eine Spannweite von einem Meter und kommt auf einem grossen Arbeitstisch fast schon klein vor. Doch es ist gerissen, dieses vermeintlich rein \u00e4sthetische Objekt. Es ist Hightech pur. Um es zu konstruieren, baute Thomas Horvath seinen Schneideplotter, seine Drehbank, N\u00e4h- und Umspulmaschinen um. Er installierte Speziallampen, kaufte Brillen mit erh\u00f6hter Dioptrie, feinste Werkzeuge, die es erm\u00f6glichen, im Millimeterbereich zu arbeiten. Der 55-j\u00e4hrige Z\u00fcrcher baut jeden Drachen selber, \u00abT\u00fcre zu, Telefon ab\u00bb, denn \u00absie lassen sich nicht wie ein Leintuch n\u00e4hen\u00bb. Die Toleranz in der Symmetrie: weniger als ein halber Millimeter. H\u00f6chste Pr\u00e4zision und Konzentration sind gefragt.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Das Ger\u00fcst des Drachens wird aus exakt zwei Metern Karbonstab gebaut. Ein Erwachsener kann drauftreten, ein Hund reinbeissen, die eineinhalb Millimeter St\u00e4be brechen nicht. Das Segel besteht aus hauchd\u00fcnnem, farblosem Spectra-Laminat, einem extrem leichten Polyethylen aus Nordamerika. Spectra ist die Marke der Rohfasern, die als kristalline Struktur aufgebaut sind und eine niedrige Dichte aufweisen. Deshalb gelten sie als die dehnungs\u00e4rmsten Fasern \u00fcberhaupt und lassen sich nicht zerreissen. Ein wichtiger Vorteil, denn das Segel wird leicht \u00fcbersehen, wenn es auf dem Boden liegt. An Nase, Kiel und an den Fl\u00fcgelspitzen und Leitkanten wird das Flugobjekt durch symmetrisch geschnittene schwarze Polyester-Elemente namens Icarex eingefasst. Ganz wichtig: hier wird gen\u00e4ht und nicht geklebt. Denn hier geht es nicht um ein Massenprodukt, sondern um Qualit\u00e4t, Nachhaltigkeit und Minimalismus \u2013 made in Switzerland. \u00abDann ist es fast schon echter Minimalismus\u00bb, sagt Thomas Horvath und kehrt seinen Drachen um. Er deutet auf die Waage. Sie besteht aus ummantelten Spectra-Schn\u00fcren, die in Kanada nach seinen Vorgaben geflochten werden. Die Waage ist das Interface zwischen Drachen und Kabel.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Die Konstruktion interpretiert das \u00abTensegrity\u00bb-Prinzip des amerikanischen Konstrukteurs Richard Buckminster Fuller: Die Struktur steht unter Spannung (tension) und alle Teile sind miteinander verbunden (integrity). Das Prinzip macht den Flugk\u00f6rper elastisch und trotzdem stabil. So wird der \u00abI\u2019ll be back spectra laminate edition\u00bb (heute: I\u2019ll be back urban flow edition) konstruiert. Der leichteste Drachen der Welt. Elf Gramm. Eine Kombination aus Hightech und Poesie. In der Luft ist er agil und gleichzeitig langsam. Nach einem Impuls, einem Ziehen des Drachenfliegers entschleunigt er sich sofort wieder und gleitet weiter, als ob nichts geschehen ist. Er kann in aller Ruhe vor sich her schweben und kurz vor dem Boden wieder steil nach oben zielen. Auch in Innenr\u00e4umen \u2013 besonders diese F\u00e4higkeit fasziniert den Betrachter.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Als Architekt und Industriedesigner arbeitet Thomas Horvath nur noch, wenn Projekte an ihn herangetragen werden, wenn er keine Akquise, keine \u00abWettbewerbe ins Blaue hinaus\u00bb machen muss. Heute lebt der Unternehmer von seiner Erfindung. \u00abDas hier ist alles auf die Spitze getrieben\u00bb und meint damit \u00abgenauer geht es gar nicht, hoffe ich\u00bb. Er wirkt nicht eingebildet, wenn er das sagt. Vielmehr steht hier einer im karierten Hemd, mit Leserbrille auf dem Kopf und Zigarette im Mundwinkel, und sagt offen, dass er fasziniert ist von seinem Beruf. Er baut seit 15 Jahren Drachen. Er skizzierte, t\u00fcftelte, probierte aus und verwarf. Anfang dieses Jahres lancierte er mit dem \u00abI\u2019ll be back\u00bb aus Spectra-Laminat (dyneema composite fabric), das wie Perlmutt schimmert, das so kostbar und verwundbar anmutet, das aber schier unzerst\u00f6rbar, ja genial ist, den leichtesten Drachen der Welt.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Ist der \u00abI\u2019ll be back\u00bb noch optimierbar? Ich finde keine Methode, um ihn genauer zu machen. Er ist pr\u00e4zis wie meine Rolex Submariner. Ende der Durchsage (l\u00e4chelt).<\/p>\r\n<p class=\"y\">Wie erkl\u00e4ren Sie jeweils, wie er fliegt? In Workshops sehe ich immer wieder, wie die Leute verkrampft dastehen und das Kabel umklammern. Ich rate ihnen, loszulassen und dem Drachen einfach zuzusehen. Das f\u00e4llt uns in der westlichen, gestressten Welt schwer.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Bauen Sie deshalb Drachen? Vielleicht.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Inwiefern dienen Ihre Drachen der Gesellschaft? Es geht ums Entschleunigen. Slow down und so.<\/p>\r\n<p class=\"y\">Was sind das eigentlich f\u00fcr lauter Titanrahmen und Rads\u00e4tze, die hier rumstehen? Ich baue und fahre Velos als Hobby. Auf dem Uetliberg und im Engadin. Dieses Vorderrad etwa, ein Crossmax Serie 2.2 mit Flachspeichen aus Aluminium wiegt ein bisschen mehr als 600 Gramm. Damit fahre ich den Uetliberg-Trail runter. Wahnsinn, was?<\/p>\r\n<hr class=\"double\" \/>\r\n<div class=\"y\">\r\n<div class=\"lyte-wrapper\" style=\"width:640px;max-width:100%;margin:5px auto;\"><div class=\"lyMe hidef qsa_\\&amp;showinfo\\=0\\&amp;start\\=0\" id=\"WYL_Pv_vFnngMNc\"><div id=\"lyte_Pv_vFnngMNc\" data-src=\"https:\/\/horvath.ch\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FPv_vFnngMNc%2Fmaxresdefault.jpg\" class=\"pL\"><div class=\"tC hidden\"><div class=\"tT\"><\/div><\/div><button tabindex=\"0\" class=\"play\"><\/button><div class=\"ctrl\"><div class=\"Lctrl\"><\/div><div class=\"Rctrl\"><\/div><\/div><\/div><noscript><a href=\"https:\/\/youtu.be\/Pv_vFnngMNc\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/horvath.ch\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FPv_vFnngMNc%2F0.jpg\" alt=\"YouTube-Video-Vorschaubild\" width=\"640\" height=\"340\" \/><br \/>Dieses Video auf YouTube ansehen<\/a><\/noscript><\/div><\/div><div class=\"lL\" style=\"max-width:100%;width:640px;margin:5px auto;\"><\/div>\r\n<p>\r\n<\/div>\r\n<hr class=\"double\" \/>\r\n<p>Infozeile zu Thomas Horvath: Der Designer und Architekt erfindet, entwickelt und produziert Nullwinddrachen seit 2000 und vertreibt die extrem leichten Flugobjekte \u00fcber das Drachen\u00adlabor in Z\u00fcrich. Es entstand sukzessive in Thomas Horvaths Atelier f\u00fcr Architektur\u00ad- und Industrial\u00ad-Design, das er 1994 gegr\u00fcndet hat. Infozeile zum Drachen \"i\u2019ll be back spectra laminate edition\", heute: <a href=\"https:\/\/horvath.ch\/de\/drachen\/ill-be-back\/\">I\u2019ll be back urban flow edition:<\/a> Konzeption, Design, Produktion: Thomas Horvath, Z\u00fcrich Material Fl\u00fcgel: Spectra\u00ad-Laminat = dyneema composite fabric Material Rahmen: Carbon Gewicht total: 11 g Spannweite: 1'000 mm<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephanie Rebonati \u00a9 2015<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"class_list":["post-7530","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-press"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7530","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7530"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7530\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7530"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7530"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}