{"id":7716,"date":"2011-04-11T16:45:52","date_gmt":"2011-04-11T14:45:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.horvath.ch\/de\/?p=7716"},"modified":"2021-08-26T19:25:18","modified_gmt":"2021-08-26T17:25:18","slug":"sanftes-gleiten-in-windstillen-momenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/horvath.ch\/de\/drachen-gleiten-in-windstillen-momenten\/","title":{"rendered":"Sanftes Gleiten in windstillen Momenten"},"content":{"rendered":"<p class=\"press\">Der Feierabend ist mehr als verdient, die Luft\r\nist lau, und ein paar Sch\u00e4fchenwolken stehen\r\nwie festgeklebt am blauen Himmel. Die richtige\r\nStimmung, um aufs offene Feld zu gehen und\r\neinen Drachen steigen zu lassen.<\/p>\r\n<p class=\"press\">Aber ohal\u00e4tz \u2013 nirgends weht ein L\u00fcftchen!\r\nKein Problem mit einem Null-Wind-Drachen.<\/p>\r\n<p class=\"press\">Text: Christoph Abt \u00a9 ch 2011<\/p>\r\n\r\n\r\n<hr class=\"double\" \/>\r\n<p class=\"press y\">Anfang der 90er Jahre habe ich mit dem Drachenfliegen begonnen. Ich war fasziniert von diesen Lenkdrachen, die an zwei Leinen durch die Luft pilotiert werden und dabei die verr\u00fccktesten Figuren fliegen k\u00f6nnen, sagt Thomas Horvath. \u00abAllerdings braucht es Wind, um solche Drachen fliegen zu lassen. Und genau dieser Wind fehlte meist, wenn ich abends aus der Stadt fuhr, um mit meinen Drachen zu spielen\u00bb, erz\u00e4hlt er weiter.<\/p>\r\n\r\n<section class=\"m\">\r\n\r\n<figure style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/horvath.ch\/wp-content\/uploads\/drachen-silvaplana-see.jpg\" alt=\"drachen gleitet \u00fcber dem silvaplana-see.\" width=\"800\" height=\"800\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">\"the long way home\" \u00fcber dem Silvaplana-See. \u00a9 Markus Egger<\/figcaption><\/figure>\r\n\r\n<\/section>\r\n\r\n<hr class=\"single\" \/>\r\n\r\n<h2 class=\"press\">Nach 100 Protoypen endlich so weit<\/h2>\r\n<p class=\"x\">Der an der ETH ausgebildete Architekt konnte dies nicht einfach so hinnehmen. Es musste doch einen Weg geben, um auch an einem windstillen Abend einen Drachen steigen zu lassen. Also begann er zu t\u00fcfteln und zu experimentieren. Computerberechnungen halfen ein St\u00fcck weit, aber das Zusammenspiel zwischen Drachen und Wind liess sich nicht im Atelier simulieren. Doch Thomas Horvath ist ein hartn\u00e4ckiger Mensch. Nach bestimmt 100 Prototypen war er so weit: Seine Drachen, befestigt an nur einer einzigen Leine, flogen bei Windstille. Und sie waren lenkbar.<\/p>\r\n<p class=\"x\">Zum guten Gl\u00fcck gen\u00fcgte dem T\u00fcftler dieses pers\u00f6nliche Erfolgserlebnis noch nicht. Im Gegenteil, er witterte eine Marktnische, die er f\u00fcllen k\u00f6nnte. Also begann er, von einem seiner Drachen, den er \u00abLong way home\u00bb (langer Weg nach Hause) taufte, eine erste Serie zu produzieren. Drachenfans kauften ihm in der Folge den Segler mit einer Spannweite von fast 2,8 Metern schneller ab, als er die Teile herstellen konnte.<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"press\">F\u00fcr Lebensk\u00fcnstler und f\u00fcr Vielgestresste<\/h2>\r\n<p class=\"x\">Mittlerweile ist der \u00abLong way home\u00bb ein Kultflieger f\u00fcr ausgedehnte, majest\u00e4tische Fl\u00fcge in sch\u00f6nen Stunden mit wenig oder null Wind. Aber Thomas Horvath, der heute nahezu ausschliesslich vom Drachenbau lebt, hat inzwischen weitere Modelle entwickelt. Zum Beispiel den \u00abUrban Ninja\u00bb, einen etwas kleineren, agilen Drachen, der auf einem Parkplatz, in einem Park oder einer Halle geflogen werden kann. \u00abEine Vision f\u00fcr den \u2039Urban Ninja\u203a war, dass ein Banker nach einem erfolgreichen Gesch\u00e4ft auf dem Paradeplatz mit seinem Drachen einen Freudentanz auff\u00fchrt\u00bb, schmunzelt Horvath.<\/p>\r\n<p class=\"x\">Ob es bereits dazu gekommen ist, entzieht sich der Kenntnis von Thomas Horvath. Aber die bohrende Frage bleibt im Raum: Fliegen Horvaths Drachen tats\u00e4chlich bei null Wind? Und, falls sie dies tun, macht es auch Spass, mit ihnen ein paar Minuten oder Stunden Freizeit zu verbringen? Die Antwort lautet: Ja, aber.<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"press\">Erfolg beim ersten Flugversuch<\/h2>\r\n<p class=\"x\">Zuerst zum \u00abJa\u00bb: Bewaffnet mit dem neuesten Modell aus Horvaths Atelier, dem \u00abDe Tomaso Superleggera\u00bb, und einigen Tipps vom Meister pers\u00f6nlich ging es an einem windstillen Sonntagnachmittag auf den Schulhausplatz. Der Zusammenbau des formsch\u00f6nen weissen Drachens war innerhalb von wenigen Augenblicken bewerkstelligt. Und die ersten Flugversuche mit einigen wenigen Metern Leine waren erfolgreich, zumal nahezu jeder vorbeiradelnde Velofahrer das durch die Luft gleitende Objekt bestaunte.<\/p>\r\n<p class=\"x\">Doch dann stiess der 23-j\u00e4hrige Sohn hinzu, sichtlich angetan von des Vaters Drachenbegeisterung. Und der Sohn rollte die Leine auf mehr als 30 Meter aus, bevor er den \u00abSuperleggera\u00bb mit einem satten Ruck an der Leine in die H\u00f6he zog. Der Drache stieg und stieg, und er flog \u2013 wunderbar mit weisser Silhouette gegen den blauen Himmel \u2013 erhaben \u00fcber den Schulhausplatz, als w\u00e4re solches Schweben seine nat\u00fcrliche Bestimmung.<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"press\">\u00dcbermut wird sofort bestraft<\/h2>\r\n<p class=\"x\">Und nun zum \u00abAber\u00bb: Herausgefordert von des Sohnes nat\u00fcrlichem Drachenfliegertalent rollte der Vater die Leine noch einige Meter weiter aus. Und tats\u00e4chlich: Nach einem beherzten Rupf am Kabel (wie die Drachenschnur in einschl\u00e4gigen Kreisen genannt wird) st\u00fcrzte sich der Drachen f\u00f6rmlich in den Himmel und stieg rasch h\u00f6her und h\u00f6her. Doch ausgerechnet in diesem Erfolgsmoment setzte ein kleines L\u00fcftchen ein, und der weisse Flieger driftete in Richtung Gemeindehaus.<\/p>\r\n<p class=\"x\">Den nachfolgenden Akrobatenakt mit Leiter und Schere hat hoffentlich niemand gefilmt und auf YouTube gestellt. Jedenfalls konnte der \u00abSuperleggera\u00bb gerettet werden, und der Abwart hat mittlerweile das Gemeindehaus von der abgeschnittenen gelben Drachenleine befreit. Zur\u00fcck blieb die Erkenntnis, dass vor dem ersten Drachenflug die beiliegenden Anleitungen vollst\u00e4ndig durchgelesen und wirklich ernstgenommen werden sollten.<\/p>\r\n<p class=\"x\">Denn da steht beispielsweise, dass man bei ebendiesem ersten Flug viel freien Platz suchen und nicht in der N\u00e4he von Strassen, B\u00e4umen, Stromleitungen und anderen Hindernissen fliegen sollte. Also auch nicht wenige Meter neben dem Gemeindehaus. Und da man einen Horvath-Drachen m\u00fchelos auf 60, 100 oder gar h\u00f6her als 200 Meter H\u00f6he steigen lassen kann, sollte auch die N\u00e4he von Flugh\u00e4fen gemieden werden.<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"press\">Nur das Leichteste ist gut genug<\/h2>\r\n<p class=\"x\">Dies alles gilt nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr die kleinen und kleinsten Modelle. Wer den \u00abUrban Ninja\u00bb beherrscht, dem gen\u00fcgt im Prinzip ein Hinterhof oder ein Grossraumb\u00fcro f\u00fcr einen Drachenflug. Allerdings ist bei solchem Drachenspiel Konzentration und viel Gef\u00fchl mit der Leine angesagt, denn sonst droht rasch eine mehr oder weniger folgenschwere Kollision mit einem Fenster oder einer vollen Kaffeetasse. \u00abMit dem \u2039Urban Ninja\u203a wollte ich ein fliegendes Objekt f\u00fcr Leute schaffen, welche sich bis anhin nicht f\u00fcr Drachen interessierten\u00bb, erz\u00e4hlt Thomas Horvath.<\/p>\r\n<p class=\"x\">Sch\u00f6n klingende Namen und k\u00fchne Visionen in Ehren, aber wieso fliegen diese Dinger wirklich, obwohl kein Windchen bl\u00e4st? Die l\u00fcckenlose Antwort w\u00fcrde Seiten f\u00fcllen, deshalb nur so viel: Die Drachen von Thomas Horvath sind alle leicht, sehr leicht sogar. So wiegt der vom Autor getestete \u00abSuperleggera\u00bb mit einer Spannweite von 1,3 m nur ganze 31 Gramm. Dies ist nur m\u00f6glich, weil der Konstrukteur leichteste Materialien wie Karbonr\u00f6hrchen, z\u00e4he Ultraleicht-Folien und dehnungsarme, synthetische Drachenschn\u00fcre verwendet.<\/p>\r\n<p class=\"x\">Um einen derart leichten und doch ansehnlich grossen Drachen in die H\u00f6he zu bringen, reicht ein subtil dosiertes Ziehen an der Leine. \u00abIm Wesentlichen fliegen meine Drachen durch Energie, die der Mensch mit der Leine \u00fcbertr\u00e4gt\u00bb, erkl\u00e4rt Horvath. \u00abUnd hundertprozentig windstill ist es sowieso nie. Irgendwelche feinen, kaum wahrnehmbaren Luftstr\u00f6mungen sind stets vorhanden, und das reicht ihm, um minutenlang in der Luft zu schweben.\u00bb<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"press\">Qualit\u00e4t ist nicht gratis<\/h2>\r\n<p class=\"x\">Und schliesslich werden s\u00e4mtliche Drachen von Thomas Horvath pers\u00f6nlich von Hand gefertigt, eingestellt und kurz getestet. \u00abEine ungenau geschnittene Folie, eine unsauber gen\u00e4hte Stelle, und schon stimmt die Geometrie eines Drachens nicht mehr, und er fliegt nicht, wie er sollte\u00bb, sagt er. \u00abSpeziell bei einem auf das Wesentliche reduzierten Design ist es einfach wichtig, dass jedes Teil pr\u00e4zise hergestellt wird\u00bb, betont er.<\/p>\r\n<p class=\"x\">So fabriziert der ETH-Architekt in seinem Atelier \u2013 je nach Bestellungseingang auf seiner Website \u2013 grosse und kleine Drachen. Dazu nutzt er hochpr\u00e4zise, computergesteuerte Maschinen und selbstgebaute, clevere Apparate wie beispielsweise einen f\u00fcr das Abmessen und Aufwickeln von Drachenschnur umgebauten Plattenspieler. \u00abAnders als in der Architektur und im Industrial Design begleite ich jetzt l\u00fcckenlos alle Schritte, von der Idee \u00fcber verschiedene Entw\u00fcrfe bis hin zum Serienprodukt. Hinzu kommen Wareneinkauf, Herstellung, Vermarktung, Vertrieb und Kundenbetreuung. Das ist viel Arbeit, aber sie ist abwechslungsreich, spannend und befriedigend\u00bb, resumiert Thomas Horvath.<\/p>\r\n<p class=\"x\">Nun, die Null-Wind-Drachen von Thomas Horvath sind nicht gerade billig \u2013 ein g\u00fcnstigeres Modell (der vom Autor getestete \u00abSuperleggera\u00bb) kostet \u00fcber 200 Franken. Aber mit etwas gesundem Menschenverstand eingesetzt, geht so ein Teil auch nie kaputt. Zudem ist alles durchdacht, von der Verpackung in einer schlanken, nahezu unzerst\u00f6rbaren schwarzen Kunststoffr\u00f6hre bis hin zum Zusammenbau des Flugobjekts. So, wie man dies von einem Schweizer Produkt eigentlich auch erwartet. Nicht umsonst schreibt das renommierte Architekturmagazin \u00abHochparterre\u00bb \u00fcber die innovativen Flugspielzeuge aus Z\u00fcrich: \u00abSchlicht, funktional, minimal, pr\u00e4zis.\u00bb<\/p>\r\n\r\n<div class=\"press\">\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\nDieser Artikel ist im Kundenmagazin der Elektrizit\u00e4tswerke des Kantons Z\u00fcrich erschienen.\r\n\r\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Abt \u00a9 2011<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"class_list":["post-7716","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-press"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7716"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7716\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/horvath.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}